Es gibt eine ganze Reihe immer wieder gegen die Evolution vorgebrachter Argumente, manche davon besser, andere schlechter. An der wissenschaftlichen Faktizität der Evolution und der Bedeutung des Evolutionsgedankens für die Wissenschaft ändert das aber nichts.
Die gerade aus evangelikaler Sicht immer wieder vorgebrachten und hier dargestellten Argumente gegen die Evolution lassen sich im Wesentlichen in drei Kategorien einteilen:
Im Folgenden werden die Argumente entsprechend dieser Kategorien sortiert präsentiert. Die Liste der Argumente und ihre Darstellung erhebt dabei keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Als „Probleme“ des Evolutionsmodells werden Aspekte betrachtet, für die es keine einfachen Erklärungen gibt, die teilweise auch innerhalb der Wissenschaft umstritten sind und die zuweilen dem „gesunden Menschenverstand“ bzw. der Intuition (oder dem, was vom spezifischen Kritiker darunter verstanden wird) widersprechen. Auf die folgenden Aspekte soll im weiteren näher eingegangen werden:
All den hier genannten Einsprüchen gegen die Möglichkeit einer Evolution können wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse entgegengestellt oder zumindest doch die Unhaltbarkeit der Behauptungen der Kritiker aufgezeigt werden. So implizieren gerade die Argumente der Struktur „es gibt nicht“ (Herkunft der Information, Chiralität) ein argumentum ad ignorantiam und sind damit schlicht ein logischer Fehlschluß.
Eine zweite „Klasse“ von Argumenten, die häufig gegen die Evolution in Stellung gebracht werden, sind die „theologischen“ Argumente. Sie gründen ganz wesentlich auf dem evangelikalen Glaubens- und Schriftverständnis. Das bedeutet, daß sie in weiten Teilen von den Amtskirchen nicht geteilt werden. Hierzu zählen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Als „theologische“ Argumente haben sie keine große Bedeutung für den naturwissenschaftlichen Diskurs, ihre Diskussion gehört in den Bereich der Theologie2).
Ein zwar auch in der US-amerikanischen Auseinandersetzung vorkommender, aber insbesondere in der deutschen evolutionskritischen Szene betonter Argumentationsstrang ist die Auseinandersetzung mit wissenschaftstheoretischen Aspekten.
Im Zentrum der Argumentation steht dabei, daß die Evolutionsforschung per se eine historische Disziplin (im Gegensatz zu einer empirischen) sei und daher grundsätzlich nicht auf Fakten, sondern auf Annahmen und Deutungen beruhe. Gerade bei den diesen Deutungen zugrundeliegenden Grundannahmen käme aber eine Vorentscheidung (zwischen einem göttlichen und einem naturalistischen Ursprung der Welt) ins Spiel, der wissenschaftlich nicht auflösbar oder entscheidbar sei.
Ein zweiter Argumentationsstrang versucht, den (zumindest methodischen) Naturalismus als philosophische Basis der Naturwissenschaften zu diskreditieren und zu einer Neudefinition der Naturwissenschaften zu gelangen, die letztlich auch göttliche Intervention als Erklärungsmodell innerhalb der Naturwissenschaften verankern will.
Auf dieser Basis wird dann der Evolutionsforschung eine biblisch motivierte „Schöpfungsforschung“ gegenübergestellt, die sich – zumindest im Fall der in Deutschland einzigen ernsthaften Gruppierung, Wort und Wissen – einer wörtlichen Auslegung der Bibel und einem kurzen Erdalter sowie der Erkennbarkeit des Schöpfungshandelns Gottes in der Natur verpflichtet sieht.